Chair: Priv.-Doz. Dr. Mazda Adli (Berlin)
Chair: Prof. Dr. Mathias Berger (Freiburg im Breisgau)
Abstract
Radikalisierung ist ein Phänomen, bei dem Einzelpersonen, Gruppen oder Massen zu einer Extremüberzeugung gelangen, die auch extreme Taten (Attentate, Morde, Genozide) nach sich ziehen kann. Gelegentlich scheint es, dass Berichte über radikalisierte Menschen und ihre Taten uns in immer schnellerer Abfolge erreichen.
Wir hören vom Islamischen Staat, von Boko Haram und weiteren Terrormilizen in der islamischen Welt. Bei uns werden – wie im Fall von Tröglitz – Politiker von Rechtsradikalen bedroht und ein Asylbewerberheim geht in Flammen auf. Die Pathogenese der Radikalisierung ist bisher in der klinischen Psychiatrie und Psychotherapie nicht ausreichend thematisiert und verstanden. Ebenso wenig gibt es für extremistische Taten eine klinisch schlüssige Erklärung. Ihnen allen gemein ist eine Grundhaltung, die ganze Bevölkerungsteile ablehnt oder verachtet. Michael Linden diskutiert das Konzept der „Verbitterung“ als möglichen Entstehungsmechanismus von radikalen Haltungen. Sozialer Ausschluss kann Entstehungsvoraussetzung und Folge von Radikalisierung sein. Dieses Phänomen wird Andreas Heinz anhand eigener Untersuchungen erläutern. Der Theologe und Ethiker Bischof Wolfgang Huber wird das Thema aus Sicht des Theologen und Ethikers reflektieren. Gerhart Baum hat sich in seiner Zeit als Bundesinnenminister und darüber hinaus mit der RAF auseinandergesetzt und wird Konzepte aus politischer Sicht erläutern. Wir wollen interdisziplinär diskutieren, welche Entstehungsvoraussetzungen es für die Radikalisierung von Menschen gibt und ob ein psychopathologischer Zugang zu dem Thema hilft, das Phänomen besser zu verstehen und wirksame Handlungs- und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.